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Höher, schneller, weiter – von Daniel Rustler

Messe, Rotlicht, Blaulicht, Airport, internationale Metropole, Museumsufer, Skyline, Stadt der Finanzen…Wilkommen in Frankfurt am Main.! Hier wohne, lebe, liebe und arbeite ich in einem der kleinsten Stadtteile, zusammen mit über 80 unterschiedlichen Nationalitäten.Ein Mix aus den unterschiedlichsten Menschen, welche ihre Sprache und Kultur einbringen, prägt das Bild des Viertels. Banker, Junkies, Dealer, Prostituierte, Touristen, Hipster, Neureiche und der normale Nachbar von nebenan. Sicher ist dieses Viertel nicht für jeden Geschmack etwas, ich für meinen Teil liebe es hier. Meine Angelei am Fluss beschränkt sich in der Regel auf Shortsession. Overnight’s kommen vor, sind aber eher selten. Im Stadtgebiet sollte man dazu schon mindestens zu zweit draußen sein und am besten auch keinen tiefen Schlaf haben.

Da ich in der Stadt nicht mit dem Auto unterwegs bin, ist mein Tackle auf das Minimum reduziert und auf den Spod, den ich befischen will angepasst. Jedes unnötige Kilo an Gewicht was ich dabei hätte, macht sich schnell bemerkbar, wenn man das Zeug von der U-Bahnstation bis ans Wasser schleppt.!

 

Klar benutze ich einen Barrow, denn der erleichtert den Transport des Tackle’s ans Wasser ungemein. Aber auch mit Karre, gibt’s die ein oder andere Herausforderung zu meistern. Zum Einen brauche ich eine Straßenbahnhaltestelle mit ebenerdigen Einstieg. Die beladene Karre, rückwärts und ohne Hilfe in die Tram zu hiefen ist kein Spaß!

 

Endlich in der Bahn, reagieren die mitfahrenden Personen so unterschiedlich wie Menschen nun mal sind. Dumme Sprüche, von wegen „Was ich mir überhaupt einbilde mit meinem “Ding” da einzusteigen und den Platz zu blockieren“.
Ignoranz, Neugier, Unverständnis, aber auch tatkräftige Unterstützung beim Ein oder Aussteigen.

 

-“Vielen Dank”- Es ist Sonntag, feinstes Wetter, ergo sind viele Menschen unterwegs und genießen auf ihre Art ihren freien Arbeitstag. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass die Gefahr bei so hohem Publikumsverkehr recht hoch ist, in mehr oder weniger sinnvolle Gespräche verwickelt zu werden. Wer Ruhe beim Fischen sucht, ist hier natürlich falsch.

Und spätestens wenn meine Carp Sounder XRS den von uns allen geliebten und unverkennbaren Dauerton ausgeben, blende ich eh aus, was hinter mir so passiert. Von 0 auf 100 bin ich voll auf den Drill fokussiert.!! Grade die erste Phase des Drill’s fordert höchste Aufmerksamkeit. Innerhalb kürzester Zeit werden meine Synapsen mit Adrenalin nur so zugeballert.

Die Fische im Fluss schlagen massiv in die Rute ein und geben einfach nur Vollgas flussab die Uferkante entlang. Da ist erstmal nichts mit, den Fisch halten.

Die Rute zum Halbkreis gebogen, zerrt der Fisch knirschend die Schnur Meter für Meter von der ächzenden Spule.
10 Meter, 15, 20, 25 und zum ersten Mal bleibt er stehen. Jetzt habe ich das Gefühl einen vollen Kasten Krombacher an der Rute zu haben. Der Fisch steht tief und macht einfach nur Druck. Bedingt durch die Strömung scheint ihm das auch nicht allzu schwer zu fallen, er stellt sich einfach quer und lässt mich schwitzen.

 

Einmal durchatmen bitte..Bremse nachjustieren und weiter geht’s…Der Fisch steht.Ich stehe.

 

Noch zwei drei Mal will der Fisch die Flucht ergreifen was ich aber rigoros unterbinde und ihn einen Moment später über den Kescherrand bringe…BÄÄÄM, in the net.!

 

DSC_0251-1 Daniel Rustler(1)

 

Ich hebe den Fisch im Kerschernetz aus dem Wasser und noch bevor ich mich komplett umgedreht habe, bemerke ich das Ausmaß dessen, was sich in der Zwischenzeit hinter meinem Rücken an Menschen angesammelt hat. Zur üblichen Hand voll Schaulustiger hat sich einen reisebusstarke Gruppe asiatischer Touristen gesellt. Ich lege den Fisch ab, löse den Haken und nehme das Netz vorsichtig weg. Ein guter FlussSchuppi liegt volle Breitseite in meiner Cradle.

 

 

Und los geht’s…Die Meute eskaliert ähnlich wie meine Kumpels als ich damals zum ersten Mal einen 360° in der Halfpipe gestanden habe.!

Jetzt habe ich ein Ziel für die Saison 2018 für die ich mir schon heute vorgenommen habe, nochmal eine ordentliche Schippe draufzupacken und der zickigen Diva “Main” endlich den mir bis jetzt verwehrten Ausnahmefisch zu entlocken.

Und ich bin was das angeht, sehr zuversichtlich, immer.

 

Willkommen in Frankfurt am Main…

 

Daniel Rustler

 

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